
Manchmal verbauen wir uns das Glücklichsein durch Gedanken an die Vergangenheit oder Sorgen über Zukünftiges. Das Problem entspringt der einzigartigen Möglichkeit des Menschen, in seinen Gedanken sehr schnell durch die Zeit zu reisen – zu alten Erinnerungen und zukünftigen Plänen. Um in Fühlung mit dem gegenwärtigen Leben zu sein, ist es notwendig, den Denkprozess zu verlangsamen. Der vietnamesische Zen-Meister Thich Nhat Hanh schlägt als beste Übung dafür vor, von Zeit zu Zeit bewusst zu atmen. Dadurch beruhigen sich Ihr Denken und damit Ihre Grübeleien über vergangenen Kummer oder zukünftige Sorgen. Sie finden in der Gegenwart Ruhe und gestalten Ihr Leben schöner und intensiver.

Die 4 Atemsätze
Diese Übung können Sie zu jeder Tageszeit und an jedem Ort durchführen. Wenn Sie einatmen, sagen Sie sich: „Beim Einatmen schenke ich meinem Körper Ruhe.“ Beim Ausatmen sagen Sie still: „Beim Ausatmen lächle ich.“ Beim nächsten Einatmen sagen Sie sich: „Ich verweile im gegenwärtigen Moment.“ Beim Ausatmen: „Ich weiß, es ist ein wunderbarer Moment.“
Diese Technik hilft, mit dem eigenen Atem Kontakt zu bekommen. Sie spüren, wie sich Ihr Atem beruhigt und Körper wie Geist ebenfalls ruhig und sanft werden. Ihr Lächeln kann Hunderte von Gesichtsmuskeln entspannen. Haben Sie es gemerkt? Während der Atemsätze sind Sie in den gegenwärtigen Moment zurückgekehrt und haben an nichts anderes gedacht. Sie sind dem Leben begegnet und allem Schönen, das Sie umgibt. Atmen Sie weiter und sprechen Sie still in sich: beruhigen – lächeln – gegenwärtiger Augenblick – wunderbarer Moment. Das können Sie wirklich überall machen: zu Hause, beim Autofahren oder beim Warten auf den Bus.
Beim Essen
Auch Ihre Mahlzeiten können Sie zum Anlass für bewusstes Atmen nehmen. Wenn Sie bewusst atmen, wenn Sie achtsam sind, wenn Sie Ihr Essen meditativ betrachten, wird das Leben genau in diesem Augenblick wirklich.
Wenn Sie sich zum Essen an den Tisch gesetzt haben, sagen Sie sich still: „Beim Einatmen beruhige ich meinen Körper. Beim Ausatmen lächle ich.“ 3-mal. Mit 3 dieser Atemzüge können Sie zu sich finden. Dann schauen Sie beim Einund Ausatmen alle am Tisch an, um mit sich selbst und den Menschen am Tisch in Fühlung zu sein. Blicken Sie jeden an, und lächeln Sie sie oder ihn an. Nach dem Atmen und Lächeln sehen Sie das Essen auf eine Weise an, die es für Sie wirklich werden lässt: Machen Sie sich bewusst, dass eine Mahlzeit etwas Kostbares ist.
Am Telefon
Bleiben Sie das nächste Mal, wenn Sie das Telefon klingeln hören, zunächst da, wo Sie sind, atmen Sie 2-mal bewusst ein und aus und lächeln Sie sich selbst zu. Nehmen Sie das 3. Klingeln des Telefons als Ruf wahr, in den Augenblick zurückzufinden. Sie werden viel entspannter sein, wenn Sie erst nach dem 2. bewussten Atemzug den Anruf entgegennehmen – was nicht nur für Sie, sondern vor allem auch für den Anrufer eine Freude ist. Diese Übung wirkt Stress und Niedergeschlagenheit entgegen, denn nach den 2 bewussten Atemzügen sagen Sie nicht mehr „Oh je, wer will denn nun schon wieder was von mir …“

G = G: Glück bedeutet Gegenwart
Glück ist nur in der Gegenwart zu finden. Im gegenwärtigen Moment verwurzelt zu sein heißt, dem blauen Himmel, dem Kind, dem blühenden Baum zu begegnen. Dieses Glück ist jederzeit erreichbar. Gerade in Belastungssituationen können Sie mit wenigen bewussten Atemzügen dorthin zurückfinden, wo es Ihnen gut geht: ins Hier und Jetzt. Denn Belastung, Stress und Kummer kommen oft aus der Vergangenheit oder der Zukunft.
Zum Weiterlesen mit Anregungen zur Achtsamkeit gerade bei unbeliebten Tätigkeiten wie Putzen, Gemüseschneiden, Abspülen etc.: Thich Nhat Hanh, Ich pflanze ein Lächeln. Goldmann Verlag, 1991, 16 Euro. ISBN 3-442-30572-1. Vom selben Autor: Zeiten der Achtsamkeit, 7,57 Euro. ISBN 3-451-04492-7.
