
Sie haben beim Spekulieren mit Aktien Geld verloren, sich einen schrecklichen Fauxpas bei einem Kunden erlaubt, haben einen Freund unvorstellbar enttäuscht … Die normale Reaktion ist, den Fehler immer und immer wieder durchzugehen: „Ach, hätte ich doch damals bloß …!“ So als ob es gelänge, durch dauerndes Zurückspulen den Film zu ändern. Das geht aber nicht. Niemals. Hier klügere Verhaltensweisen:
Stehen Sie dazu
Geben Sie Ihren Fehler öffentlich zu. Das heißt: Informieren Sie alle, die von Ihrem Fehler betroffen sind. Sagen Sie die ganze Wahrheit sofort, nicht scheibchenweise.
Formulieren Sie Ihre Lektion
Und zwar schriftlich. Was haben Sie aus dem Fehler gelernt? Konzentrieren Sie sich nicht auf die Dummheit, die Sie begangen haben, sondern auf die Klugheit, die Sie inzwischen dadurch erworben haben. Bewahren Sie Ihre niedergeschriebene Lebenserfahrung gut auf.
Packen Sie das Positive separat
Auch in Ihren schlechtesten Augenblicken haben Sie etwas richtig gemacht. Es gab Aspekte, an denen Sie unschuldig waren. Buchen Sie nicht das gesamte Kapitel als rabenschwarzes Desaster ab. Jedes Ereignis ist eine Mischung aus Erfolg und Misserfolg.
Versetzen Sie sich in die Zukunft
Fragen Sie sich: Wie werde ich in 6 Monaten diese Sache sehen? Wird es mich in 1 Jahr noch beschäftigen? Wie wichtig ist es wirklich für andere? Übertreiben Sie, bis wirklich nichts mehr davon bleibt: Wird man in den Geschichtsbüchern über Ihr Versagen lesen? Na also!
Hören Sie die Einschätzung anderer
Sprechen Sie mit einem Familienmitglied darüber, mit Kollegen, Freunden, Betroffenen. Wenn die Ihre negative Einschätzung des Vorfalls nicht teilen, dann glauben Sie ihnen! Liegen sie in der Beurteilung auf Ihrer Linie, dann lassen Sie sich Mut zusprechen. Besprechen Sie, wie die anderen Ihnen helfen können, dass Ihnen solche Fehler nicht wieder unterlaufen.
Vergeben Sie
Die schlimmsten Unglücke passieren dadurch, dass ein anderer Ihre Schwäche ausgenutzt hat. Deswegen ist die Rückschau auf schlimme Fehler meist eine miese Mischung aus Selbstvorwürfen und Rachegedanken. Aus dem Teufelskreis der Vergangenheit kommen Sie nur heraus, wenn Sie dem anderen verzeihen, vor allem innerlich. Denn Ihr Groll gegen Feinde zerstört Sie mindestens so sehr wie Ihre zerfleischenden Selbstanklagen. Wenn Sie anderen vergeben, können Sie sich auch selbst vergeben.
Sehen Sie Misserfolg als Vorstufe
… zum Erfolg! Bedenken Sie, dass die Lebensgeschichten vieler berühmter Menschen unglaubliche Pleiten, Pannen, Konkurse und Sackgassen enthalten, bevor sie endlich zum großen Durchbruch gelangten. Versetzen Sie sich hinein: Wie war das, als der Star von heute damals dem Untergang nahe war und nicht ahnen konnte, dass alles gut ausgeht? Spüren Sie, wie dieser Gedanke Kraft geben kann?
Ziehen Sie gedanklich um
Bleiben Sie nicht in dem verkorksten Abschnitt Ihres Lebens wohnen. Bauen Sie etwas Neues, oder renovieren Sie gründlich – in Gedanken und auch buchstäblich. Entfernen Sie Gegenstände aus Ihrem Blickfeld, die Sie an Ihren großen Fehler erinnern. Schließen Sie die Tür zu Ihren Erinnerungen. Erst dann kann sich eine neue Tür öffnen. Freuen Sie sich auf das, was dahinter zum Vorschein kommt!
Keine Peinlichkeit dauert ewig
Scham ist eine sehr starke Emotion, die Sie lange in ihren Bann ziehen kann. Aber das Gedächtnis Ihrer Umgebung ist weit schlechter als Ihr eigenes. Wenn Bill und Hillary Clinton sowie Monica Lewinsky längst wieder erhobenen Hauptes in die Öffentlichkeit treten können, dann können Sie das auch!
Stellen Sie die entscheidenden Fragen
Warum hat dieser Fehler Sie so besonders schlimm getroffen? Haben Sie sich für jemanden gehalten, der Sie gar nicht sind? Wurden Sie von anderen Menschen falsch eingeschätzt? Ein Fehler oder eine Krise ist eine Metamorphose. Sie verändern sich. Wie eine Raupe, die sich verpuppt und danach Flügel hat, werden Sie nach der Krise etwas können, das Sie vorher nicht konnten. Glückwunsch!

Dienstag, der 3. März 2009 um 16:02
Lieber Herr Kohler,
das ist ein ganz wunderbarer und wichtiger, hilfreicher Artikel! Denn nur Menschen, die in der Lage zu ehrlicher Reue sind, können auch gütige Menschen werden. Und davon könnten wir schon noch ein paar mehr vertragen, nicht wahr?
Herzliche Grüße
Andreas Fornefett